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Solomon Blue.
Bei den Inselbewohnern Papua-Neuguineas.

FAZ. Auszug

[...]Milda Drüke überzeugt mit einem realistischen Sittengemälde und Porträts von Menschen, die im Zurückgeworfensein auf das Wesentliche von einem anderen Weltbild erzählen.
Bildstrecke (Auszug):
Milda Drueke. Solomon Blue.    Milda Drueke. Solomon Blue.    Milda Drueke. Solomon Blue.
 
Milda Drueke. Solomon Blue.    Milda Drueke. Solomon Blue.    Milda Drueke. Solomon Blue.

Die Meer und die Kunst, ein Kanu zu bauen.
Die Autorin Milda Drüke, die sich fernab von Zeitgeistreportagen in alternativen Weltreisen immer wieder aufmacht, "um die Natur von Meeren und Menschen zu erfahren", begibt sich in diesem Buch zu einem zweihundert Meilen vor dem Inselfestland Papua-Neuguineas gelegenen Eiland: Zufällig erfuhr sie von Panyata als Insel des legendären Kanubaums, wo man das Kunsthandwerk des melanesischen Bootsbaus nach alten Riten, Überlieferungen und Beschörungsformeln, welche die Widerstandsfähigkeit des Gefährts im Sturm stärken sollen, praktiziert. Vier Monate lang nimmt die Autorin als Auftraggeberin eines Kanus - sie entlohnt die Kanubauer mit Fischkonserven namens "Solomon Blue" - am solidargemeinschaftlichen Inselalltag teil, studiert sie die Soziologie und allmählich Erosionen der Tauschgesellschaft. In Gesprächen mit den Dorfätesten rekonstruiert Drüke lokale Märchen und Mythen etwa über den in seinem Inneren roten Kanubaum und dessen Ursprung als Samenkorn im Schoss einer schwangeren Frau, deren Name Bebeta war. Der rituelle Kanubau und die damit verbundenen Interaktionen, Komplikationen und kulturellen Missverständnisse, die beinahe in einem Streik enden, stehen vordergründig im erzählerischen Fokus des Buchs. Vielmehr gibt das Leben auf Panyata aber der Autorin, die wegen ihrer ablaufenden Aufenthaltsgenehmigung immer wieder - kleingeistig, wie sie später erkennt - darum bangt, das Kanu je segeln zu sehen, Anlass zu Reflexionen über die Relativität von Zeit, über die Kulturgebundenheit von Träumen und Tabus, Privatsphäre und Öffentlichkeit und den in der teilnehmenden Beobachtung verlorengegangenen Paradiescharakter. Ohne die Einwohner Panyatas als edle Wilde zu stilisieren - im Mikrokosmos der Insel gibt es Eifersucht, patriachalische Strukturen, Bildungsnotstand, Abhängigkeit von Zigaretten und Kautabak - evoziert sie in meditativen Bilderbögen derem "kraftvolle Langsamkeit" und lernt mit "melanesischer Gelassenheit" eurozentrische Massstäbe abzulegen. Dabei spricht sie auch über Rückkoppelungseffekte der Kolonialisierung auf den Clanzusammenhalt als Sozialversicherung und Fundament melanesischer Kultur.

Süddeutsche Zeitung. Literaturbeilage März 2007.

Ginge es nur um diesen Kanubau, die Sehnsucht der passionierten Seglerin, einen archaischen, mit vielen Mythen aufgeladenen Bootsbau zu erleben und ihre Gedanken- und Gefühlsausbrüche dabei, müsste man das Buch nicht unbedingt lesen. Glücklicherweise aber ist der Bootsbau nur der Katalysator, der, nach und nach der Autorin und uns Lesern das Innere einer nur auf den ersten Blick paradiesischen Gesellschaft begreifbar macht. Da ist der geizige Gemischtwarenhändler, dem sie den Dosenfisch abkauft und der im ganzen Dorf unbeliebt ist, schließlich aber das Kanu bekommen wird, weil er zwei Planken gespendet hat. Da ist der Chefbootsbauer, der seine Frau schlägt, weil er nicht will, dass sie an einem Korbballturnier teilnimmt. Da ist die Frau, die sich das Leben nimmt, weil sie nach acht Kindern müde ist, die katholischen Missionare ihr aber das Verhüten nicht erlauben. Und dass das System, wonach jeder mit jedem teilt und tauscht, was er hat, nur so lange funktioniert, bis Zigaretten und Kautabak knapp werden, ist auch eine wertvolle Erkenntnis, welche die Insel ein großes Stück an Europa heranrückt. Weil Drüke so völlig auf die Hilfe der Einheimischen angewiesen ist und ihnen neben Rauchwerk und Kautabak großen Respekt entgegen bringt, wird auch ihr vertraut. Zu ihrer Gastgeberin, einer alleinerziehenden Mutter, entsteht sogar eine Freundschaft, die für Drüke wichtiger ist als jeder Dosenfisch und Kautabak: Denn vor allem durch sie erhält die Autorin Einblick in die fremde und verschlossene Gesellschaft. Als das Kanu endlich fertig ist, kurz bevor sie abreisen muss, ist es längst zu einer Nebensache geworden.

200 Seemeilen vor Papua Neuguienea hört Milda Drüke auf einem segelnden Kanu vom Kanubaum und seiner Legende. Die ist so außergewöhnlich, dass Milda Drüke sich spontan wünscht: Ich möchte erleben, wie aus einem Kanubaum ein Kanu wird.
Auf einer kleinen Insel wird sie zur Auftraggeberin eines großen Kanus. Die Arbeit der Kanubauer tauscht sie auf deren Wunsch gegen tägliche Mahlzeiten aus Konservendosen. Weil die den Bewohnern des Dorfes wertvoller scheinen als frischer Fisch und frisches Fleisch. Am liebsten essen sie Thunfisch von "Solomon Blue“. Vier Monate lebt Milda Drüke mit Menschen, die zwar vertraut sind mit unserem Kalender, sich aber keine Termine setzen. Die Autorin hingegen muss sich an ein unveränderbares Ausreisedatum halten. Während ihre Gastgeber gelassen mit der natürlichen Zeit leben, in der es ihnen auf das Wesen der Dinge ankommt, spürt Milda Drüke den Druck, der entsteht, wenn Entwicklung und Wachsen sich einem Datum unterordnen sollen. Auf der Insel der Kanubäume findet Milda Drüke nach zwanzig Jahren eine Antwort auf die Frage, warum die Menschen Ozeaniens, obwohl auch sie nicht im Paradies leben, zum Idealisieren verführen.

 

Gebundene Ausgabe:
Solomon Blue. Bei den Inselbewohnern Papua-Neuguineas. Frederking & Thaler, 2007, 248 Seiten. ISBN-13: 978-3894056605.

        

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Milda Drueke. Solomon Blue. Buchcover